Berücksichtigungen bei einer Hausgeburt

Zunächst ist es mir wichtig zu betonen, dass ich kein Arzt, keine Hebamme und kein medizinisch ausgebildetes Personal bin. Die hier gemachten Angaben beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen und haben keine Gewähr auf Vollständigkeit. Ein persönliches Gespräch mit euren Geburtsbetreuern finde ich daher unerlässlich. Dennoch möchte ich einen kleinen Einblick geben, was es hinsichtlich einer Hausgeburt zu beachten gibt. Mit diesem Blogpost möchte ich euch einerseits Informationen mit an die Hand geben, andererseits helfen eine Entscheidung hinsichtlich des Geburtsortes treffen zu können.

… medizinische Aspekte

In meinem Fall spricht aus medizinischer Sicht nichts gegen eine Hausgeburt. Folgende Auffälligkeiten können allerdings von medizinischer Seite ein Ausschlusskriterium für eine Hausgeburt sein:

  • Schwangerschaftsdiabetes
  • Schwangerschaftsvergiftung
  • chronische oder andere Erkrankungen der werdenden Mutter
  • Auffälligkeiten am Baby (z.B. offener Rücken, Herzerkrankungen,…)
  • ab der 36. SSW muss das Baby in Schädellage liegen (also mit dem Kopf nach unten)

Sind all diese Faktoren erfüllt, gibt es allerdings weitere Aspekte, die zu beachten sind.

Die Nöte der Hebammen

Ich hatte das große Glück relativ gegen Ende meiner Schwangerschaft eine Hausgeburtshebamme zu finden. Leider ist die Suche nach einer Hebamme insgesamt sehr schwierig (Mädels, egal wie sehr ihr das Ergebnis eines positiven Schwangerschaftstests anzweifeln mögt, macht euch direkt danach sofort auf die Suche nach einer geeigneten Hebamme!).

Eine Hausgeburtshebamme hat zudem ein enorme Verantwortung: Sie stellt sicher, dass während dem Geburtsprozess alles einen guten Weg verläuft. Sie muss feststellen, wenn innerhalb der Geburt auch Prozesse kritisch zu betrachten sind oder eine Verlegung in ein nahes Krankenhaus doch von Nöten sein sollte. Sie trifft also gemeinsam mit euch die Entscheidung, ob die Hausgeburt abgebrochen werden muss. Diese enorme Verantwortung spürt die Hebamme neben den vielen psychischen Belastungen, besonders in enormen Kosten ihrer Haftpflichtversicherung. Viele Hebammen müssen im Jahr bis zu 10‘000€ für ihre Haftpflichtversicherung bezahlen. Aus diesen Ausführungen heraus ist es meiner Ansicht nach auch verständlich, dass viele Hebammen keine Hausgeburten machen möchten.

Umso wichtiger ist es daher, dass ihr eine Hausgeburtshebamme findet, der ihr vertraut und die viel Erfahrung hat. Meine Hebamme hat bereits über 1000 Hausgeburten begleitet und (was ich persönlich ebenfalls sehr wichtig fand) auch bereits 2-3 Notfälle innerhalb diesen erlebt. Das offene Gespräch steigerte für mich dabei das Vertrauen.

Entscheidungen der Eltern für das Kind

Was so selbstverständlich klingt, wurde mir erst richtig bewusst, als es um einige Entscheidungen hinsichtlich der Behandlung unseres Kindes unmittelbar nach der Geburt ging: Als Eltern hat man auf einmal die komplette Verantwortung für sein Kind. Genauso hat man als Eltern Entscheidungen zu treffen, die das Kind betreffen. Dazu gehören unabhängig zum Thema Hausgeburt:

  • Wie soll dem Baby Vitamin-K verabreicht werden?
  • Darf ein Neuroscreening durchgeführt werden?
  • Bei welchem Kinderarzt soll das Baby behandelt werden?

Eure Hebamme oder euer Frauenarzt wird euch hierzu sicherlich gerne beraten.

… finanzielle Aspekte

Eine Hausgeburt sowie alle Vor- und Nachsorgetermine der Hebamme werden von der Krankenkasse übernommen. Hierbei fallen also keinerlei zusätzliche Kosten für euch an. Anders allerdings als in einer Klinik/einem Krankenhaus muss die Rufbereitschaft der Hebamme selbst bezahlt werden. Vier Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin (ET) kann es nämlich rein theoretisch gesehen bereits zur Geburt kommen. Ab dieser Zeit wird die Geburt auch offiziell nicht mehr als Frühgeburt bezeichnet. Was bedeutet das? Die Hebamme muss vier Wochen vor eurem ET 24 Stunden, 7 Tage die Woche immer erreichbar sein. In diesen vier Wochen darf die Hebamme keinen Alkohol trinken, sollte natürlich ausgeschlafen sein oder muss im Fall der Fälle auch private Veranstaltungen verlassen. Diese Rufbereitschaft, die die persönliche Freiheit der Hebamme stark einschränkt, muss natürlich bezahlt werden. Die Kosten trägt die Krankenkasse allerding leider nicht. In unserem Fall waren es 900€, die wir bezahlen mussten. Eine Menge Geld, mit dem wir mit Sicherheit unsere neue Wohnung auch mit einigen tollen Möbeln hätten ausstatten können. Einige Krankenkassen übernehmen allerdings einen Teil der Kosten. Am besten einmal mit den zuständigen Mitarbeitern Kontakt im Vorhinein aufnehmen und sich am besten auch das Angebot schriftlich (!) per Mail oder Post zuschicken lassen. Die Geburt selbst sowie alle Kontakte nach der Geburt werden wider rum von der Krankenkasse bezahlt.

…organisatorische Aspekte

Was vielleicht überraschend klingen mag, beim genauen Nachdenken jedoch vollkommen logisch erscheint: Trotz oder gerade aufgrund der Planung einer Hausgeburt müssen bestimmte Vorkehrungen getroffen werden. Das bedeutet sowohl die werdenden Eltern als auch die Hebamme müssen sich auf alle Eventualitäten einstellen.

Insgesamt ist eine Hausgeburt als sehr sicher einzustufen. Warum ist das der Fall? Eine Hausgeburt kann wie oben berichtet nur unter bestimmten medizinischen Voraussetzungen durchgeführt werden, was bestimmte Risikofaktoren direkt für eine Hausgeburt ausschließt. Komplikationen können jedoch bei jeder Geburt auftreten. Daher ist es notwendig, sich vorab in einer Klinik anzumelden. Falls es nämlich zu Schwierigkeiten unter der Geburt kommt und eine Hausgeburt abgebrochen werden muss, erfolgt die Verlegung. In einem solchen Notfall zuerst eine Akte anlegen zu müssen, wäre da doch sehr nervenaufreibend,… Ebenso muss im Vorhinein eine Kliniktasche gepackt werden.

Was mir erst kurz vor der Rufbereitschaft unserer Hebamme klar geworden ist, war, dass eine Hausgeburt viel mehr Organisatorisches von einem abverlangt als eine Krankenhausgeburt. So muss im Vorhinein zum Beispiel Kontakt zu einem Kinderarzt aufgenommen werden, der zur ersten ärztlichen Untersuchung am besten auch nach Hause kommen kann.

Zusätzlich müssen für eine Hausgeburt mehrere Utensilien besorgt werden. Das fängt an bei Dingen, die man wahrscheinlich eh Zuhause hat wie alte Handtücher und reicht bis hin zu Inkontinenzunterlagen oder einem Rektalfieberthermometer für das Baby. Eine Liste mit allen Sachen, die für die Hausgeburt benötigt werden, habe ich von meiner Hausgeburtshebamme erhalten. Diese konnte ich mit ihr kurz vor der Bereitschaftszeit noch einmal durchgehen.

Ich hoffe, ich konnte euch mit meinen Informationen weiterhelfen. Solltet ihr noch Fragen haben, dann ab damit in die Kommentare. Wenn ihr euch näher mit dem Thema auseinander setzen möchtet, würde ich euch auch diese Webseite empfehlen: https://www.dfh-hebammen.de/index.php

Alles Liebe, eure,

Mella

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