Beruf: Vollzeitmama

Stellenausschreibung: Mama

Wir suchen bis spätestens zum Tag der Entbindung in Vollzeit eine MUTTER.

Ihre Aufgaben

  • Mindestens 6 Mal am Tag Wickeln
  • Mit viel Liebe Kacka und Pippi entfernen
  • Starke Arme, um Kind 24/7 tragen zu können
  • Brust zum Stillen, wahlweise auch mit Fläschchen-Ausführung
  • Liebe, offenes Ohr und Geduld
  • Wäsche waschen
  • Kochen
  • Badezimmer putzen
  • Staubsaugen und wischen

Ihr Profil

  • Abgeschlossene Ausbildung als Gedankenleserin: Bedürfnisse sollten anhand des Schreiens erraten werden
  • Spaß an der Arbeit
  • wertschätzender Umgang mit anderen Müttern oder sogenannten “Experten”, die sowieso alles besser wissen
  • Verantwortungsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Freude an der Arbeit in einem “Einmutterteam”
  • Übernahme von Wochenenddiensten und Nachtschichten

Unser Angebot

  • Elterngeld wird für ein Jahr bezahlt, anschließend erwarten wir eine unentgeltliche Vergütung
  • vielseitiges und zukunftsorientiertes Baby
  • Leitungsfunktion in einem ein Mutter-Baby-Team
  • Hohe Pflege- und Qualitätsstandards
  • Herausforderungen in der persönlichen Entwicklung

Sollte die Stellenausschreibung Ihr Interesse geweckt haben, so schicken Sie Ihre Bewerbung am besten handgeschrieben per Post mit viel Liebe an: Frau Perfekte Mutter, Musterfrau 1 in 11111 Fabelhausen.

Wo ist die Produktivität beim Mama-Sein?

Da lief ich also zum zehnten Mal mit meinem sich langsam beruhigenden Baby auf dem Arm an dem ungemachten Wäschekorb vorbei. Wie von mir erhofft, löste sich der Berg an vollgespuckten Bodies, verschwitzten voll gesabberten T-Shirts und Mullwindeln leider nicht wie von selbst auf. Im Gegenteil: Mit jedem Mal, wenn ich mit der Kleinen daran vorbei lief, schien er aufdringlicher zu werden. Zwar war ich dankbar, dass die Kleine ihr Schreien einstellte, aber gleichzeitig war diese Wäscheexplosion ein Zeichen meiner Unfähigkeit. Andere schafften es doch auch alles unter einen Hut zu bekommen. Warum ich dann nicht? Es zerriss mich innerlich: Ich wollte für mein Kind da sein, ihm Trost spenden, auf seine Bedürfnisse achten und gleichzeitig wollte ich mich produktiv fühlen. Damit am Ende des Tages auch sichtbar wurde, was ich denn nun den ganzen Tag über so gemacht hatte. Aber es ging nicht, ich konnte nicht die Wäsche zusammen legen, das dreckige Geschirr abspülen oder die Tasche vom Wochenende aufräumen. Nicht, bis das kleine Wesen in meinen Armen nicht zufrieden war.

Perfekter Haushalt? Von wegen! Als Vollzeit-Mama bleibt immer etwas liegen, zumal die Wäsche auf einmal gefühlt 10x so viel ist.

Anforderungen an mich in meinem bisherigen beruflichem Werdegang

Bevor ich Mama wurde, habe ich sehr viel gearbeitet. Konnte ich mir etwas nicht leisten, habe ich noch mehr gearbeitet. Von klein auf habe ich viel gearbeitet, um meine Ziele zu erreichen. Dementsprechend viel habe ich auch von mir gefordert: In der Schwangerschaft habe ich mir sogar vom Arzt eine Bescheinigung geben lassen, um meinen normalen Schichtdienst machen zu können. Anstrengungsbereitschaft und Disziplin gehören daher für mich zu einer guten Arbeit dazu. Produktiv, zielführend und etwas verändernd. Ganz dem heutigen gesellschaftlichem System entsprechend: Höher, weiter, schneller. Ist es da verwunderlich, dass ich nicht “nur” Mama für meine Kleine sein will, sondern DIE PERFEKTE Mama?

Anforderungen und Druck der heutigen Mamas

Als Mama wechselt man nur Windeln? Von wegen! Aber auch… und dann auch noch sehr viele…

Der Beruf vom Mama-Sein beinhaltet so viel. Ich bezeichne das Mama-Sein auch sehr bewusst als “Beruf”, wobei die Tätigkeit viel mehr von einem fordert als mein beruflicher Alltag es zuvor getan hat. Die Anforderungen an Mütter steigen zudem stetig. Ich habe das Gefühl, es ist ein Fass ohne Boden. Beschäftige ich mich mit einem Thema intensiver und genauer, so finde ich hunderte unterschiedliche Meinungen. Das fängt bei vermeintlichen Kleinigkeiten wie Windeln an. Sollen es jetzt die Einwegwindeln werden oder Stoffwindeln zum Waschen? Windelfrei? Biologisch abbaubar? Praktisch? Was ist gut für die kleine Maus? Wann kann eine Windeldermatitis entstehen? Da kann man schnell von Höckchen auf Stöckchen kommen. Jede Mama hat ihre ganz eigenen Erfahrungen und Meinungen. Mit manchem “neumodischem Kram” wird man da vielleicht auch innerhalb der Familie oder der Großeltern schief angeschaut. Das fing bei mir bereits mit der Hausgeburt an.

Ich frage mich immer mehr: Womit hängt es zusammen, dass ein derart gewaltiger Druck auf jungen Mamas liegt alles perfekt machen zu müssen?

Versuche des Verstehens

In meiner Literaturrecherche wird immer wieder bemängelt, dass es heutzutage oftmals die Mütter sind, die ganz alleine mit ihrem Kind Zuhause sind und sich um dieses kümmert. Vielleicht liegt hier auch das Problem.

“Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf!”

Kommt jemandem dieser Spruch bekannt vor? Und wo ist dieses Dorf heutzutage? Es ist doch meistens so: Die Mama ist mit ihrem Kind solange allein Zuhause bis der Papa von der Arbeit nach Hause kommt. In meinem Mamaalltag sehen so zumindest die meisten Tage aus… Wo bleibt da denn das ganze Dorf? Irgendwo merke ich dann, dass ich sauer werde. Darauf, dass Kinder ins System passen sollen. Dass der Druck auf junge Mütter immer weiter zunimmt, weil ihre Kinder möglichst schnell möglichst selbstständig sein sollen. Mama sollte nämlich möglichst schnell wieder arbeiten, damit sie auch noch die Möglichkeit auf ihre Karriere nicht verpasst. Oder nein, Stopp, dann ist es auch eine Rabenmutter. Vielleicht doch erst einmal bei den Kindern Zuhause bleiben. Wie das Ganze dann finanziell funktionieren soll, weiß ich allerdings auch nicht. Zumal das Mama-Sein ein Fulltime Job ist und das viele leider immer noch nicht verstehen.

Zerrissenheit als Frau

Bevor ich ein Kind bekam, habe ich mich als Frau nie benachteiligt gefühlt. Ich habe genauso gearbeitet, meine Schule gemacht und studiert wie andere auch – egal welchen Geschlechts. Die Bedeutung von “Vereinbarkeit von Familie und Job” ist mir erst durch die Geburt meiner Tochter bewusst geworden. Als Mutter möchte ich einen guten Job machen, um meiner Tochter eine behütete und glückliche Kindheit zu ermöglichen. Als Mensch möchte ich gerne meine Ziele in beruflicher Hinsicht erreichen und erfolgreich werden. Noch ist unsere Tochter noch kein Jahr alt und ich kann auf das Elterngeld zählen, wie es anschließend aussieht, weiß ich allerdings noch nicht. Mehr dazu erzähle ich euch dann gerne zu gegebener Zeit.

Fazit und Ansatzpunkte

Letzten Endes möchte doch jede Mutter einfach nur das beste für ihr Kind. Ob das Kind nun Stoffwindeln oder Einmalwindeln trägt. Ob es überhaupt Windeln bekommt oder windelfrei aufwächst. Mütter sollten sich gegenseitig den Rücken stärken, andere Meinungen auch zulassen und Zuhören ohne direkt zu verurteilen. Der Beruf Mama geht heutzutage mit immer höherem Druck nach Perfektion einher. Um dem gegen zu steuern ist es toll, sich mit anderen auszutauschen ohne sich zu verurteilen.

Wir haben innerhalb unserer Gemeinde zudem nach der Geburt einen Brief mit möglichen Hilfestellen zugeschickt bekommen. Doof nur, dass in der Anfangshektik noch keinerlei Zeit war, um sich diesen genauer anzusehen. Extra für diesen Beitrag habe ich ihn mir noch einmal angesehen. Gut für mich: Die dort aufgelisteten Angebote sind sehr regional. Schlecht für euch: Ich kann euch leider nichts verlinken.

Tipp: Einfach mal “offener Treff Mamas” + eure Stadt googlen. Auch toll finde ich die PEKiP-Angebote. Schaut gerne einfach hier: https://pekip.de/ nach, ob es solch eines auch bei euch in der Nähe gibt.


Folgendes könnte dich auch interessieren: https://mellamen.de/schwangerschaftsdepression

Ein Gedanke zu „Beruf: Vollzeitmama“

Schreibe einen Kommentar