Entscheidung Hausgeburt

Eine Geburt ist immer eine herausfordernde Situation. In dem heutigen Blogpost wollte ich euch näher bringen, aus welchen Gründen ich mich für eine Hausgeburt entschieden habe. Generell möchte ich sagen, dass jede Schwangere sowie jede Schwangerschaft verschieden ist und mit Sicherheit andere Bedürfnisse da sind. Wie bei allem zum Thema Schwangerschaft und Kind finde ich es daher wichtig nach sich zu schauen und dem eigenen Gefühl zu vertrauen.

Die Beschäftigung mit dem Thema Geburt

Ich muss gestehen, dass ich mich lange davor gedrückt habe, mich mit dem Thema „Geburt“ auseinander zu setzen. Ich habe lange gebraucht, um die Schwangerschaft insgesamt überhaupt für mich annehmen zu können (lest euch dazu gerne auch meinen Artikel zum Thema „Schwangerschaftsdepressionen“ durch). Daher habe ich viele Aufgaben auch sehr lange vor mir hergeschoben. Eine Hebamme habe ich lange nicht gefunden. Welche finanziellen und rechtlichen Fragen es zu klären gab, auch damit wollte ich mich nicht beschäftigen.

Als sich meine Arbeitszeit dem Ende näherte, merkte ich plötzlich den Drang mich mit dem Thema „Geburt“ auseinander zu setzen. Und als ich dies tat, merkte ich auch schnell, warum ich dieses Thema bislang so vor mir hergeschoben hatte: Ich hatte furchtbare Angst!

Wie die Angst meine Gedanken fesselte

Schnell stellte ich fest, dass ich mir kaum etwas zum Thema Geburt durchlesen konnte. Beim Lesen von Büchern oder Blogbeiträgen kamen mir schnell die Tränen. Ich hatte Angst vor dem Ungewissen. Angst davor, was auf mich zukommt. Angst vor den Schmerzen.

Ich glaube neue Situationen fordern uns als Menschen zunächst immer heraus. Nicht zu wissen, was passieren wird, kann meiner Meinung nach als eine solche enorme Herausforderung angesehen werden. Die Vorstellung schreiend unter enormen Schmerzen, vielleicht noch vollgepumpt mit Schmerzmitteln, in einem Krankenhaus mein Kind zur Welt zu bringen, machte mich wahnsinnig. Durch meine Arbeit in einer onkologischen Rehaklinik verbinde ich Krankenhaus auch mit viel Negativem. Das Krankenhaus ist so zwar einerseits ein Ort, an dem geholfen wird, an dem Ärzte da sind und dies für manch Eine Sicherheit ausdrücken mag. Für mich jedoch hat ein Krankenhaus immer auch eine Ausstrahlung von Krank sein. Davon, dass etwas nicht normal ist, dass etwas nicht stimmt. In meiner gesamten Schwangerschaft habe ich den Leitspruch vertreten: „Ich bin schwanger, nicht krank!“. Umso schwerer fiel mir daher der Gedanke, dass mein Kind in einem Krankenhaus zur Welt kommen sollte.

Als ich gemeinsam mit meinem Freund einen Infoabend im Kreißsaal eines Krankenhauses besuchte, merkte ich, wie mein Körper sich fast dagegen zu wehren schien. Auf mich machte das Licht einen bedrohlichen Eindruck. Auch die ganzen Apparate irritierten mich: Ich wollte keinen Zirkus aufführen, irgendwelche komische Übungen machen oder von einem Instrumentarium zum Nächsten gehen. Ich wollte mein Kind gerne in einer ruhigen Atmosphäre zur Welt bringen.

Der Chefarzt machte auf mich einen sympathischen Eindruck. Dennoch wollten meine Bedenken nicht verschwinden:

Was, wenn in der gleichen Nacht mehrere Frauen ihr Kind bekommen würden? Konnte da gewährleistet werden, dass eine Schwester oder ein Arzt ständig bei mir/bei uns sein würden? Wäre ich unter der Geburt ansonsten alleine? Konnte ich gebären in einer Umgebung, die ungewohnt war? Die ich nur von ein zwei Besuchen kannte?

Auseinandersetzung mit dem Thema „Hypnobirthing“

Parallel fing ich an mich immer mehr mit dem Thema „Hypnobirthing“ auseinander zu setzen. Ich merkte, dass es einen Anteil in mir gab, der nicht akzeptieren wollte, dass eine Geburt etwas derart Schlimmes sein sollte. Schließlich kam doch mein Kind zur Welt. Sollte dieses Ereignis nicht etwas Wunderschönes sein? Ich hatte zudem gelesen, dass andere Säugetiere keinerlei Schmerzen bei der Geburt empfanden und war irritiert, warum dies beim Menschen anders sein sollte.

Beim Hypnobirthing geht es darum, sich selbst in einen tranceähnlichen Zustand zu versetzen, ganz bei sich und dem Kind zu sein, um so eine friedliche Geburt zu haben. Für mich handelt es sich dabei um ein „Ganz-bei-sich-und-bei-dem-Ungeborenen-Sein“.

Je mehr ich mich damit beschäftigte, umso mehr Informationen bekam ich, die meinen Wunsch nach einer Hausgeburt bekräftigten:

Frauen suchen sich einen ruhigen Ort, um zu gebären. Evolutionsbiologisch ist dies gut zu erklären: In einer dunklen Hölle droht keine Gefahr. Es ist nicht davon auszugehen, dass ein Säbelzahntiger vorbei kommt und die Geburt unterbricht oder sogar bedrohlich auf diese einwirkt. Ein ruhiger Ort vermittelt also Sicherheit und ist daher unerlässlich für eine sanfte Geburt.

… und dann kam die Coronakrise

Als die Situation hinsichtlich der Coronakrise sich immer mehr zuzuspitzen drohte, kam es schließlich auch dazu, dass immer mehr Krankenhäuser es nicht mehr erlaubten, dass der Partner mit im Kreißsaal dabei sein durfte oder, dass der Partner, sobald er das Gebäude verlässt nicht mehr zur Partnerin und dem Neugeborenen darf.

Für mich eine absolute Schocksituation: Unser Kind sollte auf die Welt kommen, ohne, dass mein Partner mich dabei unterstütze? Er, der mir immer zur Seite stand, mich aufbaute, wenn es mir nicht gut ging, der die Ruhe in Person war, mein Fels in der Brandung. Und er sollte nicht dabei sein können, wenn sein Eigen Fleisch und Blut auf die Welt kam? Für mich unvorstellbar.

Durch all diese Argumente kam es schließlich, dass sich in mir immer mehr der Wunsch und die Sehnsucht breit machte, dass ich mein Kind gerne Zuhause auf die Welt bringen wollte. Als ich schließlich das große Glück hatte noch eine Hausgeburtshebamme zu bekommen und in den Gesprächen mit dieser auch die Bedenken meines Partners beseitigt werden konnten, schloss sich der Kreis und die Entscheidung war gefällt:

Unsere Kleine sollte in der Wohnung, in der sie aufwachsen würde, zur Welt kommen.

Wie die Hausgeburt ablaufen wird und ob dies die für mich richtige Entscheidung ist, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt natürlich nicht sagen, aber ich stehe komplett hinter dieser Entscheidung und hoffe einfach, dass alles gut verläuft.

Wenn ihr noch Fragen habt, dann schreibt mir gerne in den Kommentaren.

Alles Liebe eure,

Mella

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