Geburtsbericht

Über den Mut seine eigenen Entscheidungen zu treffen

„Boah, das hätte ich mich nicht getraut!“

„Mega mutig und das bei einer Erstgeburt!“

„Ich könnte mir das nicht vorstellen, so eine Hausgeburt!“

Das waren Sätze, die ich in den vergangenen Wochen nicht nur einmal zu hören bekommen habe. Laila ist mittlerweile 11 Wochen alt. Mit Abstand betrachtet mag ich vielleicht etwas naiv an die Geburt herangegangen sein, aber gleichzeitig merke ich auch, dass die Hausgeburt die beste Entscheidung für mich persönlich war! Es gab vor allem im Nachhinein viele die dem sehr skeptisch gegenüber gestanden sind, aber ich hätte für mich persönlich keine andere Erfahrung machen wollen. Es hat sich alles so harmonisch und schön angefühlt, wie ich mir das vorgestellt habe. Laila konnte in einer mir gewohnten Umgebung zur Welt kommen und diese hat es mir ermöglicht eine sanfte Geburt erleben und erfahren zu dürfen. Mich hat diese Erfahrung nur noch mehr darin bestärkt, dass jede/r auf sein eigenes Bauchgefühl hören sollte und es nicht den einen richtigen Weg gibt, sondern nur den, der für jeden Einzelnen der Richtige ist. Lasst euch nicht verunsichern von anderen, die für sich etwas anderes sehen, sondern durchlauft euren Weg, so, wie ihr ihn gehen möchtet!

„Meine Fruchtblase ist geplatzt!“

An einem ganz gewöhnlichen Montag Abend lagen Kai und ich vor dem Fernseher. Ich merkte bereits, wie ich kurz davor war einzuschlafen und wollte bald ins Bett gehen. Meine Schwangerschaft näherte sich dem Ende. Seit Tagen unterhielten wir uns immer wieder darüber, wann die Geburt wohl sein würde. Mein Freund betonte dabei mehrfach, dass er sehr gespannt sei, auf den Moment, an dem ich ihm sagen würde, dass meine Fruchtblase geplatzt sei. Bis zum errechneten Geburtstermin waren es an diesem Abend noch elf Tage. Ich war also in der 38ten Schwangerschaftswoche. Als wir derart gemütlich und beinahe schlummernd auf der Couch lagen, bemerkte ich auf einmal, dass meine Hose leicht nass wurde. Zunächst dachte ich mir dabei nicht viel. Noch halb dösend erhob ich mich vom Sofa, um auf die Toilette zu gehen. Während dem Aufstehen bemerkte ich allerdings, dass die Menge an Flüssigkeit an meiner Hose nicht normal sein konnte. Ich fing an auf die Toilette zu sprinten. Kai bemerkte, dass etwas nicht stimmen konnte und fragte, was los sei. Ich konnte gerade noch so herausbringen: „Ich glaube, meine Fruchtblase ist geplatzt!“.

„Geht noch mal schlafen“

Am ganzen Körper zitternd saß ich so auf der Toilette und konnte nicht glauben, dass das passierte. Elf Tage zu früh. Was hatte das zu bedeuten? Würden wir in den nächsten paar Stunden bereits unser Kind in den Armen halten? War es ein schlechtes Zeichen, dass ich bis dato noch keine Wehen hatte? Würden die Wehen jetzt gleich jeden Moment einsetzen? Und wo hatten wir eigentlich die verdammte Piepser Nummer der Hausgeburtshebamme hin gemacht? Kai konnte sie nicht finden und so schaute ich mit zitternden Händen nach, um sie ihm zu geben. Genau wie unsere Hebamme uns erklärt hatte, nahm eine elektronische Ansage das Telefonat ab, legte auf und fünf Minuten später rief unsere Hausgeburtshebamme uns zurück. Sie stellte mir einige Fragen dazu, was passiert sei. Zudem wollte sie Farbe und Geruch des Fruchtwassers wissen. Nachdem sie sich durch unsere Angaben ein Bild der Situation gemacht hatte, erklärte sie mir am Telefon: „Geht noch mal ins Bett, schlafen. So eine Geburt ist anstrengend und ihr werdet alle Kräfte brauchen. Es kann gut möglich sein, dass es bis zur Geburt noch bis zu drei Tage dauert. Es ist gut, wenn ihr euch ausruht und noch mal eine ruhige Nacht gehabt habt.“

Nickend legte ich auf. Ich erklärte meinem Freund, dass die Hebamme nicht jetzt sofort kommen würde und wir versuchen sollten noch einmal zu schlafen. Wir beide fragten uns allerdings, wie wir nach dieser Aufregung schlafen sollten. Unsere Herzen rasten und wir zitterten am ganzen Körper. An Ruhe und Entspannung war da nicht zu denken.

Warten auf die Wehen

Mit dem Wissen, dass die Geburt bis zu drei Tage dauern könnte, versuchten wir in den Schlaf zu finden. Wie man sich vermutlich denken kann, verlief meine Nacht sehr unruhig und ich fand erst gegen halb 3 morgens in einen sehr leichten Schlaf. Wir wurden auch direkt am nächsten Tag um 6 Uhr morgens von allein schon wieder wach. Voller Aufregung, voller Vorfreude auf unser kleines Krümelchen. Um 8 Uhr kam schließlich die Hebamme. Da ich immer noch keine Wehen hatte, fuhr sie gegen halb 12 noch einmal weg, um private Termine wahrzunehmen, teilte uns aber mit, dass wir sie jederzeit erreichen könnten, falls etwas wäre oder wir sie bräuchten.

Und so machten Kai und ich es uns gemütlich auf dem Sofa, schauten Serien und warteten darauf, dass meine Wehen kamen. Wir genossen dabei die gemütliche Atmosphäre Zuhause. Die Entscheidung der Hausgeburt fühlte sich in diesem Moment absolut richtig an.

Wehen als Wellen

Um 14 Uhr rum fingen schließlich die ersten zaghaften Wehen an. Kai lud sich im Verlauf eine Wehenapp auf sein Handy. So hatten wir eine Übersicht in welchen Abständen die Wehen kamen und wie lange diese andauerten. Zudem war es für Kai hilfreich eine Aufgabe zu haben.

… und tatsächlich die Wehen fühlten sich für mich so an, wie ich es dutzende Male gelesen hatte: Ich spürte, wann es soweit war und die Wehe kommen würde. Ich bemerkte, wie die Wehe immer stärke würde bis sie schließlich ihren Höhepunkt erreicht hatte und wieder sehr schnell abflachte. Das Bild der „Welle“, wie ich es gelesen hatte, empfand ich als sehr treffend. Durch die genaue Konzentration auf die Wehen und auf meine Atmung, hatte ich das Gefühl die Wehen gut aushalten zu können.

Geplant war, dass unsere Hebamme um 18 Uhr wieder zu uns kommen wollte. Vorausgesetzt, dass wir sie nicht eher kontaktieren würden. Kai bemerkte allerdings, dass meine Wehen derart stark wurden, dass es sinnvoll erschien die Hebamme früher zu kontaktieren. Sie kam daher eine halbe Stunde eher.

Der Muttermund ist bereits auf 6-7cm geöffnet

Im Verlauf des Nachmittages hatte ich scherzhaft zu Kai gesagt: „Nachher kommt die Hebamme und der Muttermund ist dann bestimmt erst bei 2cm.“

Als unsere Hausgeburtshebamme schließlich da war, unterhielt sie sich kurz mit mir und untersuchte mich schließlich vaginal. Dabei stellte sie verblüfft fest, dass der Muttermund bereits auf 6-7cm geöffnet sei. Ich konnte mit meinen eigenen Fingern sogar bereits den Kopf der Kleinen spüren. Was für ein Gefühl den Kopf ertasten zu können!

Zeit in der Badewanne

In unserer Wohnung befinden sich zwei Bäder. In dem oberen ist auch eine Badewanne. Im Verlauf der Schwangerschaft entwickelte ich den Wunsch das Baby in der Badewanne auf die Welt zu bekommen. Der Ort fühlte sich stimmig an: Durch die Dachschrägen hat das Bad etwas sehr Gemütliches. Beinahe wie eine kleine Höhle. Zudem hatte ich im Verlauf der Schwangerschaft die Badewanne zu schätzen gelernt. Ich hatte das Gefühl im warmen Wasser ganz bei meinem Kind sein zu können und zur Ruhe zu kommen. Nach der Untersuchung meinte meine Hebamme zu mir, dass nichts dagegensprechen würde, jetzt in die Badewanne zu gehen. Ich bekam noch einen Einlauf und ging auf die Toilette. In dieser Zeit ließ Kai mir ein Bad ein und ich genoss kurz darauf die Wärme des Wassers. Die Hebamme legte ein Handtuch auf meinen Körper und Kai ließ Entspannungsmusik von meinem Handy laufen. Diese Musik hatte ich dutzende Male während der Schwangerschaft gehört. Die Anfangszeit in der Badewanne war sehr angenehm. Die Atmosphäre harmonisch und schön. Nach kurzer Zeit wurde ich erneut von der Hebamme vaginal untersucht. Zu meiner Überraschung stellte sie fest, dass mein Muttermund bereits bei 10cm sei.

Und dann verließ mich die Kraft

Die Hebamme erklärte mir, dass anatomisch nichts mehr gegen die Geburt der Kleinen sprechen würde. Sie hätte sozusagen „freie Bahn“ und könne jetzt kommen. Auf einmal spürte ich innerlich allerdings eine Blockade: Meine Tochter könnte jetzt schon bald bei uns sein? Wie würde sich dann mein ganzes Leben verändern? War ich überhaupt bereit für diesen Schritt?

In Kombination mit der Blockade wurden die Wehen auf einmal sehr stark und schmerzhaft. Mit jeder Wehe merkte ich, dass mich die Kraft mehr verließ. Das heiße Wasser tat sein übriges. Ich versuchte mit der Hebamme unterschiedliche Positionen in der Badewanne aus, die mir die Geburt erleichtern sollte. Zwischenzeitlich musste ich mich sogar übergeben. Im Nachhinein hätte ich nicht mehr sagen können, was wann passiert ist. Völlig kraftlos hing ich über dem Badewannenrand. Ich hatte das Gefühl eine Pause zu brauchen. Ich müsste mich nur noch ein wenig ausruhen, nur ein bisschen schlafen, dann würde ich nach ein oder zwei Stunden weitermachen können. Im Nachhinein habe ich häufig gelesen, dass dies ein ganz normaler wichtiger Schritt innerhalb der Geburt sei und solche Gedanken meist gegen Ende der Geburt eintreten.

Übersiedlung ins Schlafzimmer

Meine Hebamme bemerkte schließlich, dass ich aus der Badewanne muss, bevor die Geburt noch einen kritischen Verlauf nehmen würde. Ich sollte also vom oberen in den unteren Stock laufen. Auf dem Weg hatte ich noch mal eine starke Wehe, die die Kleine weiter ins Becken nach unten geschoben hat. Im Schlafzimmer ging es dann laut Kai nur noch etwa eine halbe Stunde. Ich selbst hatte völlig das Zeitgefühl verloren. Ich hatte Angst vor einem Dammriss und bemerkte auch, dass es bei jeder Wehe und jedem Schieben brannte. Die Angst vor einem Dammriss und das brennende Gefühl hielten mich anhaltend zurück zu schieben. Als mein Freund den Kopf der Kleinen bei einer Wehe sehen konnte, motivierte er mich schließlich mit den Worten: „Schatz, drück! Bring unser Krümelchen auf die Welt!“. Das gab mir noch mal solch einen Energieschub, sodass die Kleine bei der nächsten Wehe geboren wurde. Dieses kleine schreiende Wesen auf einmal zu sehen war schlichtweg überwältigend. Sie war von oben bis unten mit Käseschmiere voll. Die Hebamme gab sie mir in die Hände. Ich fühlte ihre zarten zerbrechlichen Rippen und begann erst jetzt zu realisieren, dass ich gerade eine Tochter auf die Welt gebracht hatte. Ich hatte eine gesunde kleine Tochter, vollkommen ohne jegliche Medikamente bei uns Zuhause im eigenen Bett zur Welt gebracht.

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