Interview mit Kathrin Vorbrink von hebammenkonsum

Ich freue mich sehr euch auf meinem Blog ein neues Format präsentieren zu können: Die liebe Kathrin von Hebammenkonsum hat sich dazu bereit erklärt ein Interview mit mir zu führen. Dabei geht es um den Beruf der Hebamme genauso wie um die Leidenschaft für ihren Shop und die vielen Fragen, welche sie täglich auf ihrem Instagram-Account bekommt. Viel Spaß beim Lesen!

Mella (M.): Hallo liebe Kathrin, es freut mich sehr, dass ich dich heute mit ein paar Fragen löchern darf! Du hast 1982 deine Ausbildung zur Hebamme gemacht, arbeitest als Beleghebamme, hast einen Shop und betreibst auch noch deinen Instagram-Account (@hebammenkonsum), auf dem du geduldig auf so viele Fragen von ratsuchenden Frauen eingehst. Wie schaffst du es das alles unter einen Hut zu bekommen?

Kathrin (K.): Wie ich das alles schaffe? Das hat glaub ich mit einer sehr guten Organisation zu tun. Was ich versuche, gerade, wenn ich unterwegs als Hebamme bin, immer wieder die Fragen zu beantworten, wenn ich zu einem Hausbesuch gehe oder von einem Hausbesuch rauskomme. Kurz checken: Sind Nachrichten da? Sind Fragen da? Dadurch, dass ich meine Praxis jetzt Zuhause habe, ist es für mich leichter den Shop zu bedienen, weil da immer noch mal ein paar Minuten in der Praxis Zeit ist, sich um das ein oder andere Päckchen/Paket zu kümmern. So versucht man das alles so ein bisschen zu jonglieren. Schwierig ist, wenn Geburten dazwischen rauschen, die dann mal so einen ganzen kompletten Tag auf den Kopf stellen, weil man das leider nicht planen kann.

M: Seit wann betreibst du denn deinen Shop und was war ausschlaggebend diesen neben deinem Hebammenberuf zu betreiben?

K: Wir betreiben den Shop seit circa 10 Jahren. Ausschlaggebend für den Shop waren Produkte, die ich kennenlernen durfte und die so super cool den Frauen geholfen haben, dass ich es auch gerne mir gewünscht hab, dass andere Frauen diese auch kennen lernen können. Es gibt so viele verschiedene Produkte, die einfach ihren Zweck nie erfüllt haben. Da bin ich ganz lange auf die Suche gegangen Produkte zu finden, die wirklich hilfreich sind und die den Frauen wirklich definitiv auch weiterhelfen. Und die hab ich gefunden und die haben wir alle in dem Shop zusammen gefügt.

M: Was ist dir bezüglich der Produkte in deinem Shop wichtig?

K: Ganz besonders achte ich darauf, dass wir Naturprodukte haben und auch Produkte, die man nicht so einfach in “normalen” Läden finden würde. Dass wir schon etwas besonders sind und, wenn es irgendwie möglich ist, dass man diese Produkte auch für irgendwas anderes mitverwenden kann. Das finde ich sehr wichtig. Wenn wir sowas finden, dann finde ich das mega cool. Natürlich sollten sie den Mädels helfen.

M: Für alle, die noch nicht so viel Kontakt hatten zu den Themen „Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett“: Kannst du einmal erklären, was genau eine Beleghebamme macht?

K: Beleghebamme ist eine Form der Freiberuflichkeit. Man hat die Möglichkeit durch dieses Belegsystem seine Hebamme bereits schon in der Schwangerschaft kennen zu lernen, sie auch zur Geburtsbegleitung mit in der Klinik zu nehmen und natürlich dann auch die Nachsorge und die Betreuung Zuhause nach der Geburt bei den Frauen durchzuführen/zu machen. Das cool daran ist, dass die Mädels mit weniger Angst in die Geburt reingehen, weil sie ganz genau wissen, welche Person erwartet mich im Kreißsaal. Sie kennen mich. Ich kenn die Frauen und man bleibt solange unter der Geburt bei den Frauen bis die Babies da sind. Das ist dann quasi ein und die gleiche Person. Dafür muss man eine Rufbereitschaft zahlen, die je nach Region, je nach Beleghebamme unterschiedlich ist, wird von den Krankenkassen zum Teil bezuschusst. Ist einfach eine coole Form der Betreuung.

M: Wie viele Frauen betreust du im Schnitt circa?

K: Ich habe noch bis Ende 2018 ca. 100-200 Geburten betreut und habe seit 2019 die Notbremse gezogen und die Geburtenzahl auf 40 Geburten reduziert. Ich betreue aber immer noch die gleiche Zahl von ca. 100-200 Frauen, welche ich nur nicht mehr alle unter der Geburt betreue.

M: Kannst du dich noch an „deine“ erste Geburt erinnern?

K: Ja… War eine sehr turbulente Geburt mit einigen Komplikationen und war als 16-Jährige für mich vielleicht nicht der optimale Einstieg… aber ich habe ja durchgehalten!

M: Wenn ich an meine Hausgeburt und die dazugehörige Betreuung meiner Hebamme denke, kann ich mir vorstellen, wie anstrengend die Arbeit als Hebamme ist. Dazu kommt leider, dass die Arbeit oft nicht gut bezahlt wird. Hast du schon einmal darüber nachgedacht „alles hinzuwerfen“ und was hat dich im Beruf gehalten/was schätzt du am Beruf der Hebamme?

K: Mein Beruf hätte ich schon mal alles hinwerfen können, ich bin aber für unsere Familie der Alleinverdiener und das meiste Geld verdienen wir mit der Hebammerei. Deshalb habe ich im letzten Jahr reduziert, dass ich nicht mehr ganz so viel arbeiten muss, nicht mehr ganz so viele Geburten betreue, weil es einfach immer wesentlich anstrengender wird. Ist vom Finanziellen eigentlich noch schwieriger, aufgrund dessen, dass die Versicherungen die Gleichen bleiben. Nur, weil du weniger machst, musst du nicht weniger Versicherung zahlen. Aber da kommen wir gleich zum zweiten Teil: Ich liebe einfach Geburten zu machen. Ich bin super gerne mit den Mädels im Kreißsaal und begleite sie. Da musste ich einfach einen Mittelweg finden, um nicht wirklich in so nen Burn-Out reinzuschlittern. Kurz davor hätte ich am liebsten alles hinschmeißen können, wenn es irgendwie gegangen wäre.

Nur, weil du weniger machst, musst du nicht weniger Versicherung zahlen.

M: Auf deinem Instagram-Account habe ich gesehen, dass sehr viele ratsuchende Frauen auf dich zukommen. Was sind die häufigsten Fragen?

K: Auf Instagram kommen unwahrscheinlich viele Fragen rein, die ich aber in den meisten Fällen gar nicht beantworten kann, weil es da schon sehr ans Eingemachte geht: Ernährungsberatung, Stillberatung oder Probleme in der Schwangerschaft. Da kann ich eigentlich im Prinzip nur auf die eigene Hebamme oder den Frauenarzt/Kinderarzt verweisen, weil wir das darüber gar nicht beantworten können und dürfen. Wenn Fragen dazu kommen, was es für Produkte bei bestimmten Beschwerdebildern gibt, ist das natürlich ein bisschen einfacher, wo man weiß, dass sind Probleme, die nicht unbedingt ärztlich vorgestellt werden müssen. Darauf beziehen sich auch unsere Produkte, zum Beispiel, wenn jetzt die kühlere Jahreszeit da ist: Wie kann ich mein Immunsystem stärken und das in der Schwangerschaft? Was kann ich bei Erkältungen machen? Oder, wenn ich Wadenkrämpfe habe? Oder dergleichen.. oder bisschen was zur Entspannung oder zur Geburtsvorbereitung brauche… Diese Fragen kann ich ohne weiteres beantworten, aber alles was mehr in die Schulmedizin geht, geht natürlich nicht. Und da kommen aber auch viele, viele Fragen, weil viele Frauen keine Hebamme finden.

M: Seit dem Beginn deiner Hebammenausbildung sind 38 Jahre vergangen. Was hat sich in dieser Zeit verändert (Geburtsbegleitung, Hebammenberuf, Einstellung der Eltern,…)?

K: Seit meiner Ausbildung hat sich einiges verändert. Einmal, ganz groß die Einstellung der Eltern, dass sie sich wesentlich mehr belesen. Internet und dergleichen bietet das Ganze an. Ich hab Geburtsvorbereitungskurse, ich kann mich online belesen und mich informieren, was allerdings nicht immer unbedingt gut ist. Für mich als Hebamme hat das was Negatives und was Positives. Die Frauen lesen viel zu viel, viel zu viele Informationen aufnehmen. Das ist manchmal wieder schwieriger die Frauen zu betreuen, weil sie sich einfach verrückt machen von dem, was sie lesen. Wo es früher einfach gar nicht die Möglichkeit gab, sich reinzulesen. Das macht es wieder schwieriger. Was für mich schwieriger ist, dass man nicht so oft mehr den Dingen freien Lauf lässt, dass ist auf der einen Seite sehr vorteilhaft, weil gewisse Dinge schon frühzeitig ausgefiltert werden, dass man den Frauen, die Kinder retten kann, wenn irgendwelche Auffälligkeiten sind. Erkrankungen bei der Mama, Auffälligkeiten beim Kind durch CTG-Kontrollen, durch Fruchtwasser-Kontrollen und all den ganzen Kram. Das hat auch seine Vorteile, aber dass man doch gewisse Dinge zu kompliziert sieht. Gar nicht der Natur mehr unbedingt so freien Lauf lässt und hinter jeder Ecke irgendwas Schlimmes sieht oder was man abklären muss. Dass Einleitungen gemacht werden, wo man eigentlich, nach meiner Einschätzung auch gerne noch mal ein bisschen warten darf, weil jeder hat Angst, dass irgendwas passieren könnte und man hinter jeder Ecke wie gesagt, was sieht, was noch gar nicht da ist.

Kathrins Empfehlung für die Schwangerschaft
M: Dein wichtigster Tipp für….
  1. Schwangerschaft? Ein gutes Buch… mein absoluter Favorit “Guter Hoffnung”. Viel Zeit als Paar verbringen… sich selbst nicht vergessen und viel Ruhepausen einlegen.
  2. Geburt? Versuchen sich zu vertrauen, alles zu schaffen und somit auch die Geburt.
  3. Wochenbett? Wochenbett besteht aus zwei Worten “Wochen im Bett”. Kuscheln, Bonding, Frühstück im Bett und keinen Besuch reinlassen
M: Magst du ansonsten noch etwas erzählen?

Macht eure eigenen Erfahrungen und hört auf den eigenen Bauch und auf euer Herz!

Ein Gedanke zu „Interview mit Kathrin Vorbrink von hebammenkonsum“

Schreibe einen Kommentar