Stillgeschichte

Vor der Geburt

Ich konnte es mir einfach nicht vorstellen: Da würde ein kleines Wesen an meiner Brust saugen. Konnte mir das Stillen wirklich gefallen? Ich fand die Vorstellung eher irritierend, vielleicht sogar befremdlich. Mir war bewusst, wie wertvoll Stillen ist. Ich sagte mir innerlich auch immer wieder, wie wichtig das Stillen für das Immunsystem der Kleinen sei. Ganz zusagen wollte mir der Gedanke unsere Tochter zu stillen jedoch trotzdem nicht.

Unser Kinderarzt hatte uns eine Broschüre zum Thema “Essen für Kinder” mitgegeben (übrigens gibt es hier: https://www.bzga.de/infomaterialien/kinder-und-jugendgesundheit/das-baby/ eine tolle Datei in PDF-Format zum Downloaden für alle möglichen Belange hinsichtlich Babies). In dieser wurden verschiedene Empfehlungen der WHO vermittelt. Danach sollte gestillt werden bis zum sechsten Monat, um anschließend mit der Beikostfütterung zu starten, abhängig natürlich davon, was für ein Interesse das Kind am Essen zeigte. Davon abhängig ist für mich im Verlauf des Stillens klar geworden, dass ich die Kleine auf jeden Fall mindestens 6 Monate stillen möchte. Auch beeinflusst hat mich, dass meine Mama mich selbst 8 Monate gestillt hat und ich meine Tochter daher ähnlich lang stillen wollte.

Stillstart

Nachdem die geplante Hausgeburt ohne größere Komplikationen abgelaufen war (https://mellamen.de/geburtsbericht), konnten wir zunächst ein gutes Bonding genießen. Dabei wurde mir unsere Kleine genau so wie sie war auf den Bauch gelegt. Als sie nach kurzer Zeit anfing zu suchen, hielf mir die Hausgeburtshebamme sie anzulegen. Ich fühlte mich mit der Situation leicht überfordert, weil ich nicht wusste, wie sich ein “richtiges Andocken” anfühlte. Woher sollte ich wissen, dass Laila richtig an der Brust sitzt? So kam es auch dazu, dass die Kleine mir relativ schnell einen blauen Fleck an der linken Brust saugte. Durch den Geburtsvorbereitungskurs wusste ich, dass Babies zu Beginn einen winzigen Magen hatten, bevor er passend zur Milchmenge in Mamas Brust, immer größer wurde. Die Kleine machte ihre Aufgabe sehr gut, wohingegen ich mir noch sehr unbeholfen vorkam.

Die ersten paar Tage nach der Geburt hatte ich übrigens noch Nachwehen, die doch recht schmerzhaft sind. Jedes Mal, wenn die Kleine gestillt wurde, kamen diese. Zunächst also auch kein schönes Gefühl, wenn dein Unterleib bei jedem Stillen schmerzt. Dies hielt allerdings zum Glück nicht allzu lange an.

Probleme

Fettwolle, Brustwarzencreme sowie Stilleinlagen waren zu Beginn wertvolle Helfer

Meine Hausgeburtshebamme erklärte mir, dass mein Körper den Milcheinschuss, der normalerweise circa am dritten Tag nach der Geburt kommt, als Infektion ansehen wird. Daher käme es häufig auch dazu, dass der Körper auch wie bei einer Erkrankung reagiert beispielsweise mit Überhitzung der Brüste. Hilfreich seien dabei Quarkwickel oder Kohlblätter zum Abkühlen. Gespannt haben meine Brüste zwar auch, allerdings hatte ich insgesamt mehr Probleme mit meinen Brustwarzen. Das Saugen der Kleinen hat zu Beginn nämlich furchtbar geschmerzt! Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich länger als ein paar Wochen stillen könnte… Oder, dass auch nur irgendjemand Stillen bei solchen Schmerzen schön finden könnte!

Zum Glück hatte ich meine Wochenbetthebamme, die mir Tricks und Tipps gab. Sehr wertvoll waren für mich zum Beispiel Donutkissen, die ich aus Kompressen selbst herstellte und in den Stillbh legen konnte, denn alles, also wirklich ALLES was in Berührung mit meiner Brust kam, tat weh. Daher war ich unheimlich froh eine Art “Federung” zu haben. Zusätzlich versorgte ich die wunden Stellen mit Wolle.

Über den Druck

Um die Milchbildung anzukurbeln empfiehl mir die Hausgeburtshebamme zu Beginn die Kleine in einem maximalen Abstand von drei Stunden zu stillen. Also stellte ich mir auch nachts den Wecker, versuchte die Kleine (und auch mich selbst) zu wecken, um sie an die Brust zu führen. Um eine gute Kontrolle zu haben installierte ich mir zusätzlich eine Stillapp auf mein Handy. Durch diese bekam ich ein Gefühl fürs Stillen. Ich konnte mittels einer Stoppuhr eintragen, wann wir stillten und wann die Kleine wieder aufhörte zu trinken. Die App errechnete dadurch automatisch wie lange und mit welchem Abstand gestillt wurde. Zu Beginn war dies recht praktisch, v.a. um sich nicht merken zu müssen, wann ich das letzte Mal gestillt hatte und den Abstand von drei Stunden einhalten zu können.

Im Laufe der Zeit zeigte mir die App allerdings verschiedene Meldungen an, die mich stark verunsicherten. Einmal erschien eine Meldung, nachdem Laila nachts eine längere Schlafphase hatte von: “Zwischen zwei Stillmahlzeiten liegen mehr als 5 Stunden. Haben Sie vergessen eine Stilleinheit einzutragen?” – nein, hatte ich nicht, die Kleine hatte einfach länger geschlafen. Zudem viel es mir schwer jedes Mal die Stoppuhr zu drücken. Die Kleine trank manchmal eben auch nur kurze Zeit, löste sich wieder und trank dann weiter. Wie oft sollte ich da die Start-Stopp-Taste drücken? Ganz zu schweigen davon, dass Laila zu Beginn auch oftmals gar nicht richtig getrunken hat, sondern oftmals die Brust brauchte, um sich sanft in den Schlaf zu wiegen. Sollte das auch in der App aufgeführt werden?

Nachdem die Stillapp bei mir mehr Fragen als Antworten auslösten, schmiss ich sie kurzerhand von meinem Handy, um mehr nach meinem eigenen Gefühl und Lailas Bedürfnissen gehen zu können. Das nahm mir viel Druck und erleichterte mir einiges! Dabei blieb ich natürlich auch im Kontakt mit meiner Wochenbetthebamme und fragte sie nach Tipps.

Das Gefühl: Ist es wirklich genug Milch?

Neben den schmerzenden Brustwarzen gab es für mich noch ein großes Problem: der erste große Entwicklungsschub. Innerhalb von diesem war das Stillen für mich beinahe ein “Kampf”. Die Kleine trank immer nur kurz und schrie danach wieder sofort. Ich kam an meine Grenzen und wusste nicht, ob sie nun wirklich gesättigt war oder nicht. Ich bekam Angst, dass sie möglicherweise nicht genügend Milch bekam. Das Einzige, was mir dabei wirklich geholfen hat, war, auf den Leitspruch der Hebamme und meines Freundes zu vertrauen: “Sie nimmt sich was sie braucht!”…

Und genau so war es auch! Meine eigene Unsicherheit wich irgendwann nach viel Geduld und Zeit einem Sicherheitsgefühl in meine Kleine zu vertrauen.

Wie geht es weiter?

Beikost und Abstillen sind noch keine Themen bei uns. Wie dies allerdings dann weitergeht, werde ich euch zu gegebener Zeit aufschreiben. Insgesamt war es für mich wichtig, immer wieder in Kontakt mit meiner Wochenbetthebamme zu gehen, mich nicht verunsichern zu lassen und darauf zu vertrauen, dass sowohl die Kleine sich meldet, wenn sie was braucht, als auch die Anzeichen von ihr bewusst wahrzunehmen.

Nach vier Monaten Stillzeit kann ich sagen: Stillen ist wunderschön! Auch wir hatten in dieser Zeit unsere Höhen und Tiefen, aber momentan kann ich mir kaum eine innigere und schönere Nähe zu meinem Kind vorstellen, als über den Kontakt des Nährens.

2 Gedanken zu „Stillgeschichte“

  1. Meine Kinder sind schön ein bisschen älter, ich kann mich aber noch genau an die Stillzeit erinnern. Wie süss so ein Kleines! Ich hatte zum Glück nie Probleme mit der Milch, die Schmerzen an der Brustwarze kenne ich jedoch zu gut. Liebste Grüsse

    xx Simone
    Little Glittery Box

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