Über das Loslassen

Als ich noch kein Kind hatte, habe ich mich bereits innerlich mit dem Thema des Loslassens beschäftigt. Vielleicht, weil man als Kind zwar auch loslassen möchte und gleichzeitig bei den Eltern sein will. Vielleicht, weil in meiner Generation der Begriff der “Helikopter-Eltern” das erste Mal aufgekommen ist. Vielleicht aber auch, weil ich in meinem Studium auch mit Entwicklungspsychologie konfrontiert war und dadurch auch damit, was eine sichere Bindung bedeutet und wie ein Kind selbstbewusst aufwächst. Allerdings sind das alles sehr theoretische Ansätze. Ganz anders verhält es sich dann plötzlich, wenn man selbst Mama wird…

Die besondere Bindung zwischen Mama und Kind

Ab Befruchtung der Eizelle befindet sich das Baby in Mamas Bauch – da noch als Zellhaufen. Es wächst heran, wird größer und entwickelt sich im Verlauf der Schwangerschaft. Beziehung entsteht auch schon dort. Ich habe in der Schwangerschaft viel meinen Bauch gestreichelt. Wollte, dass mein Baby merkt, dass ich für sie da bin. Dass ich sie liebe…

Schließlich steht die erste Trennung zwischen Mama und Baby bevor: die Geburt. Wenn man dann stillt, dann ist das Baby zunächst allerdings noch Monate (manchmal sogar Jahre) abhängig vom Körper der Mutter. Neben der Nahrung gibt es aber auch das Bedürfnis nach Nähe. Ein Baby braucht eine Bezugsperson. All diese gemeinsamen Erfahrungen schaffen ein ganz besonderes Band zwischen Kind und Mutter. Ein Band, dass sehr eng ist.

Für mich als Mama eine derart enge Bindung, die ich selten zuvor gespürt habe. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum es so schwer scheint sich zu lösen. Auch wenn dieser Prozess jeden Tag ein Stückchen voran getrieben wird. Denn mit jedem Entwicklungsschritt wird das Kind eigenständiger.

Der innere Zwiespalt

Als Mama ist man damit konfrontiert sein Baby stückweit immer mehr loszulassen. Das ist gut so, denn das Baby möchte selbstständig sein. Und auch ich als Mama genieße jedes Stückchen Freiheit das für mich wieder neu dazu kommt. Und dennoch ist es wunderschön abends neben seinem schlafenden Baby zu liegen und die Nähe und den Atem zu spüren. Ich möchte mein Kind selbstbewusst großziehen. Ich möchte keine “Helikopter-Mama” sein. Und gleichzeitig ist es ein Prozess loszulassen. Für die Mama als auch für das Baby. Wann das der Fall ist sollte jeder individuell entscheiden. Im Folgenden habe ich euch einige Tipps zusammen getragen:

Tipps zum Loslassen

1. Den eigenen Wert erkennen

Du bist die Mama dieses kleinen Wesens. Das ist eine ganz besondere Rolle. Diese Rolle kann niemand anders einnehmen. Niemand anderes hat dein Baby unter seinem Herz getragen. Niemand kennt dein Kind so gut wie du. Auch für dein Baby bist du was ganz besonderes nur dadurch, dass du seine Mama bist. Du wirst auch immer seine Mama bleiben. Mach dir dies bewusst!

2. Andere als eine Bereicherung erleben

Die Tagesmama, die Erzieherin, ja sogar die Oma oder der Opa. Sie alle sind eine Bereicherung für dein Kind. Genauso wie auch für dich andere Menschen eine Bereicherung sind. Das ändert nichts an Punkt 1. Sie stehen auch nicht in Konkurrenz zu dir, sondern ganz im Gegenteil, unterstützen sowohl dein Kind als auch dich. Dein Baby kann durch sie vielleicht neue Blickwinkel annehmen, Perspektiven entwickeln.

3. Gebt euch Zeit

Nicht umsonst gibt es im Kindergarten eine Eingewöhnungszeit. Eine schrittweise Loslösung tut dir und deinem Baby gut. Es muss nichts überstürzt werden und sollte sich immer für beide gut anfühlen.

4. Schau nach deinen Bedürfnissen

Du kannst darauf vertrauen, dass du es gut machst. Wenn es sich nicht gut anfühlt, dann schau nach Alternativen und hinterfrage, was dich zögern lässt. Welche Gründe stecken dahinter? Sind Ängste vorhanden? Gibt es einen Anhalt für Überbehütung? Oder brauchst du einfach noch Sicherheit durch irgendwelche Faktoren?

Wenn ihr weitere Tipps habt, dann freue ich mich, wenn ihr mir diese in den Kommentaren hinterlässt.

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