Working Mom

Wenn der Partner nicht Millionär ist, die Ersparnisse nicht bis ins Unendliche reichen oder einfach, weil Mamas sich selbst erfüllen wollen, irgendwann steht wohl jede Neu-Mama vor der Frage: Wann gehe ich wieder arbeiten? In welchem Umfang? Und wie kann die Betreuung unseres Nachwuchs aussehen?

Zeitgemäße Rollenverteilung

Früher waren die Rollen klar definiert: Der Mann geht arbeiten, bringt das Geld nach Hause und die Frau ist bei den Kindern Zuhause, kümmert sich um den Haushalt und den Großteil der Erziehung. Bei genauerer Betrachtung ist dieses Rollenklischee allerdings gar nicht so alt, wie wir vielleicht glauben. Tatsächlich stammt das “Mütterchen”-Bild aus der Zeit des zweiten Weltkrieges und ist damit noch nicht einmal 100 Jahre alt. Dass dieses Modelle allerdings auch heutzutage ganz und gar nicht mehr zeitgemäß ist, wird so langsam wohl jedem klar sein. Die Männer möchten ihre Kinder genauso aufwachsen sehen und möchten einen Teil der Erziehung übernehmen. Nicht zuletzt dank der gesetzlichen Möglichkeiten auf Elternzeit beider Elternteile konnte ein positiver Schritt in eine Gleichberechtigung von Mann und Frau gemacht werden.

Business Frau oder Mama: Muss man sich entscheiden?

Andersherum möchten Frauen nicht mehr nur das Hausmütterchen sein, sondern streben häufig auch nach Karriere. Der berufliche Erfolg hängt auch mit einer persönlichen Selbstverwirklichung zusammen, die auch für Mütter erstrebenswert ist.

Vor der Schwangerschaft

Häufig merke ich dann bei mir eine innerliche Wut: Ich habe mich immer als sehr emanzipierte Frau gesehen und hatte niemals das Gefühl den Männern gegenüber einen Nachteil zu haben. Ich habe mein Abitur gemacht, studiert und in meinem Job ging es kurz vor meiner Schwangerschaft darum, ob ich stellvertretende Leitung mache. Mit anderen Worten: Ich hatte das Gefühl eine starke, unabhängige und emanzipierte Frau zu sein, die in ihrer beruflichen Umgebung angekommen ist.

… Und dann kommt die Schwangerschaft

Und dann kommt auf einmal dieses kleine unschuldige Wesen in das eigene Leben und man hat das Gefühl alten Rollenmustern gegenüber zu treten. Denn, wenn wir mal ehrlich sind, sieht die Realität doch häufig immer noch so aus: Die Frau ist bei den Kindern Zuhause und der Mann geht weiter arbeiten. Das “Problem” an der Sache ist aus meiner Perspektive her auch, dass die Mamas auch gerne Zuhause bleiben wollen. (Ich setze das Wort Problem dabei bewusst unter Anführungszeichen, denn es sollte eigentlich kein Problem sein.) Daraus ergeben sich die Herausforderungen der modernen Frau, die zwischen Kind und Karriere steht und nach der typischen politischen Frage:

Wie sieht es mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus?

Ich merke, dass ich wütend darauf werde, dass ich den kleinen Menschen, den ich über alles liebe, die Schuld in die Schuhe schiebe, dass meine beruflichen Ziele erst einmal eingefroren sind. Und das, obwohl ein solcher Gedanke, meiner Ansicht nach der falsche Ansatzpunkt ist.

Woher kommt das?

Klar ist, dass aus biologischer Sicht eine Verteilung der Rollen durchaus Sinn macht. Da das Kind neun Monate lang (eigentlich ja sogar 10) in Mamas Bauch aufwächst und bedingt durch das Stillen (insofern Mama stillt) auch danach noch vom Körper der Mutter abhängig ist, erscheint eine Aufteilung also durchaus sinnvoll. Und mal ehrlich, Mädels: Wir vergöttern unsere Kinder, wir wollen uns um unsere Kinder kümmern und ja, wir lieben es bei ihnen Zuhause zu sein und sie aufwachsen zu sehen. Gleichzeitig ist da aber der Ruf nach Selbstverwirklichung. Der Wunsch selber vielleicht auch erfolgreich zu sein. Warum sollte ich plötzlich keine beruflichen Träume mehr wagen dürfen?

Den inneren Zwiespalt und das moderne Problem der Emanzipation wurde mir erst richtig bewusst, als ich selbst zum ersten Mal Mutter geworden bin. Ich wollte eine gute Mutter für mein Kind sein und gleichzeitig meine eigenen Karrierewünsche allerdings nicht zurückstecken. Wie soll das möglich sein ohne sich selbst dabei nicht zu verlieren? Geschweige denn die Partnerschaft? Ich las Artikel über Familien, in denen beide Elternteile Vollzeit arbeiteten, ich hatte Geschichten meiner Vorgesetzten im Kopf, wo die Frau fast gar nicht mehr arbeitete. In diesem kompletten Spektrum musste ich jetzt also selber meinen Platz und mein Weg finden.

Es allen anderen recht zu machen, klappt sowieso nicht, also versuch doch lieber, es dir selbst recht zu machen

Bereits kurz nach der Geburt meiner Tochter merkte ich, dass unterschiedliche Frauen unterschiedliche Meinungen zum Thema Arbeiten haben. Ist die eine selbst Hausfrau, drängt sie darauf die Zeit mit dem Kind Zuhause zu genießen, “sie ginge ja so schnell vorbei”. Während die andere direkt nach dem Mutterschutz wieder arbeiten gegangen ist und die Meinung vertritt, dass ein beruflicher Einstieg und Karrierechancen gar nicht anders möglich seien.

Für mich ist vollkommen klar, dass ich es liebe arbeiten zu gehen, weil Arbeit für mich über den bloßen Geldverdienst hinaus auch bedeutet soziale Kontakte zu knüpfen oder zu festigen, mich selbst verwirklichen zu können, das Gefühl eine Aufgabe zu haben und sie mir Struktur in meinen Tag bringt. Daher könnte ich mir persönlich nicht vorstellen nur Zuhause zu sitzen, den Haushalt zu schmeißen und auf mein Kind aufzupassen.

Wenn das allerdings dein Traum ist, dann lass dir da nicht reinreden! Es gibt immer Wege an seine Ziele zu kommen und daher mit Sicherheit auch Möglichkeiten.

Abschließende Worte

Vielleicht sollten wir aus diesen Gedanken heraus nicht danach fragen, welche Möglichkeiten es gibt, um als Mutter möglichst nach kurzer Zeit wieder in das gleiche System zu passen, sondern was wir bewirken können durch die neue Erfahrung jetzt Mama sein zu dürfen.

Mama zu sein ist bereits ein Vollzeit Job. Diesen zu meistern, bedeutet mindestens genauso harte Arbeit wie jeder “normale” Job. Dennoch sollte jeder seinen eigenen Weg gehen und schauen wann und wie ein beruflicher (Wieder-)Einstieg aussehen kann.

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